Runon ja rajaton Trail: Tage 17 bis 22

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Kaksikymmentäyksi, kaksikymmentäkaksi, kaksikymmentäkolme, ...

Was tut man auf einer endlos scheinenden Schotterpiste, die durch menschenleere Sümpfe und Nadelwälder im Süden der Provinz Kainuu führt? Ich bringe meiner Tocher die finnischen Zahlen ab 20 bei. Kaksikymmentäyksi heisst nämlich zwanzig-eins. Hier eine etwas grössere Zahl für fortgeschrittene Arithmetiker der finnischen Sprachkunde: Kaksisatakolmekymmentäkolmetuhatseitsemänsataviisikymmentäyksi (=233'751) Schritte durfte ich mit Lea während einer Woche schätzungsweise gemeinsam zurücklegen. So ist es auch kein Wunder, dass mein rechter Fussheber (musculus tibialis anterior) am dritten Tag fix und fertig war. Ich konnte meinen Fuss nur noch unter erheblichen Schmerzen heben. Lea hingegen war in dieser Woche bei bester körperlicher Gesundheit und Fitness.


Lea am Kirveslampi (=Axtweiher) im Nirgendwo im Süden der Provinz Kainuu mit Gions genialem Kocher. Man braucht kein Brennmaterial mitzutragen.

Ich traf Lea am 17. Tag ihrer Tour in Pajulahti, einer Strassenkreuzung etwa 40km nordöstlich von Kuopio, nachdem sie mehr als zwei Wochen von Andrin begleitet worden ist. Den Weg von Kuopio bis Pajulahti konnte sie relativ bequem auf einem Veloweg hinter sich bringen.

Aber genau hier in Pajulahti endete der Veloweg. 25km auf einer Haupstrasse, auf welcher grosse Lastwagen mit 100 km/h an uns vorbeidonnerten, bildeten den Einstieg zu meiner Tour mit Lea.


Savon Sanomat: Morgens nicht wissen, wo man die nächste Nacht verbringt. Lea Widmers Tour von Kotka zum Polarmeer dauert drei Monate.

Nach dieser Erfahrung führte uns ein idyllischer Wanderweg zum "Berg" Pisa. Mit seinen rund 300m Höhe und dem Aussichtsturm erlaubt er einen schönen Rundblick auf die Seenlandschaft. Es folgte 1km Kampf durch wegloses Terrain und etliche Kilometer auf Schotterstrassen entlang von Feldern und Bauernhöfen. Auf der Halbinsel eines kleinen Sees verbrachten wir die Nacht.

Für die Nacht ist in dieser Jahreszeit ein Mückennetz unabdingbar. Beim Einschlafen mit symphonischer Begleitung eines blutgierigen Mückenschwarms setzte sich bei mir der Gedanke fest, dass jetzt alles wie umgedreht ist. Während vieler Jahre auf Wanderungen und Skitouren im Norden habe ich meine Tochter geführt, ihr die Dinge gezeigt, vieles erklärt. Nun kocht sie das Abendessen, plant den Nahrungsmitteleinkauf und liest die Karte.

Im Dorf Rautavaara können wir am nächsten Tag unsere Nahrungsmittelvorräte wieder auffüllen. Und am Abend erreichten wir wohl den landschaftlichen Höhepunkt dieser Woche: Den Tiilikka-Nationalpark.


Der folgende Tag bescherte uns die beschriebenen endlosen Waldstrassen und den Besuch eines Geisterhauses am Kirveslampi, in welchem wohl seit mindestens 20 Jahren niemand mehr gewohnt hat. Alles lag noch so ruhig da, wie es der letzte Bewohner zurückgelassen hat. Die Savusauna (=Rauchsauna) mit den zu waschenden Flickenteppichen, die Beerensträucher, die typisch finnische Schaukel oder auch das Ruderboot, welches uns eine abendliche Bootsfahrt ermöglichte. Es war spannend und irgendwie unheimlich zugleich. Ein Memento mori wollte uns da die finnische Taiga wohl zuflüstern.



Genug der Gedanken an die Vergänglichkeit: Am Freitag erreichten wir den UKK-Weitwanderweg. Der ehemalige finnische Präsident Urho Kekkonen soll entlang dieses Weges Finnland durchstreift haben. Für Lea bringt dieser Weg eine grosse Erleichterung. Vergessen sind nun die öden Kilometer entlang von Hauptstrassen. Es warten Lavus (Unterstände), Feuerstellen, Kotas (Lappenkoten) und Mökkis (Hütten für Wildniswanderer).


Ein Blumenmädchen auf dem UKK und im Ansalampi.




Unterwegs auf dem UKK nach Vuokatti gibt es Heidel-, Preisel und Moltebeeren (finnisch Lakka) zu pflücken. Die letzten Kilometer vor Vuokatti wollen uns dann noch beweisen, dass Finnland eben doch nicht so flach ist, wie man zuweilen den Eindruck haben könnnte. Es reihen sich die Vaaras, die bewaldeten Höhenzüge, wie eine Perlenkette dem Wanderweg entlang auf. Am Sonntag erreichten wir mein Ziel und Leas Etappenort Vuokatti. Es ist dies in etwa das finnische Magglingen. Mein Taxifahrer zum Bahnhof in Kajaani erzählte mir, dass er als Chauffeur des chinesischen Langlaufnationalteams engagiert worden ist. Es gibt in Vuokatti einen unterirdischen Skitunnel. Unter der Anleitung von finnischen Profi-Langlauftrainern wird hier die China-Nati auf die Olympiade in Peking 2022 vorbereitet.


Ein Mädchen blickt nach Norden. Viel ist bereits erreicht, aber unendlich weit ist noch der Weg. Ich hoffe, es geht alles gut und du erreichst gesund und unverletzt das "Jäämeri", das Eismeer

Kaksikymmentäyksi, kaksikymmentäkaksi, kaksikymmentäkolme, ...

What do you do on a seemingly endless gravel road that leads through deserted swamps and coniferous forests in the south of Kainuu province? I teach my daughter the Finnish numbers from 20. Kaksikymmentäyksi means twenty-one. Here is a slightly larger number for advanced arithmeticians of Finnish linguistics: Kaksisatakolmekymmentäkolmetuhatseitsemänsataviisikymmentäyksi (=233'751) steps I was allowed to travel together with Lea during an estimated week. So it is no wonder that my right foot lifter (musculus tibialis anterior) was ready on the third day. I could only lift my foot in considerable pain. Lea on the other hand was in the best physical health and fitness this week.


I met Lea on the 17th day of her tour in Pajulahti, a road junction about 40km northeast of Kuopio, after being accompanied by Andrin for more than two weeks. The way from Kuopio to Pajulahti was relatively easy on a cycle path. But the cycle path also ended here. There followed 25km on a main road, on which big trucks with 100 km/h thundered past us. After this experience an idyllic hiking trail to the "mountain" Pisa followed. With its about 300m height and its observation tower it allows a beautiful panorama of the lake landscape. It followed a 1km

fight through pathless terrain and several kilometres on gravel roads along fields and farms. We spent the night on the peninsula of a small lake.

For the night a mosquito net is indispensable in this season.

When I fell asleep with sinphonic accompaniment of the bloodthirsty swarm of mosquitoes, I was struck by the thought that everything was now turned upside down. During many years on hikes and ski tours in the north I led my daughter, showed and explained her many things. Now she cooks dinner, plans food shopping and reads the map.

In the village of Rautavaara we can replenish our food supplies the next day. And in the evening we probably reached the scenic highlight of this week: The Tiilikka National Park.


The following day brought us the described endless forest roads and the visit of a ghost house at the Kirveslampi, in which nobody had lived for at least 20 years. Everything was as quiet as the last inhabitant left it behind. The Savusauna (=smoking sauna) with the patchwork rugs to be washed, the berry bushes, the typical Finnish swing or also the small boat, which made an evening boat trip possible for us. It was exciting and somehow scary at the same time. A Memento mori the Finnish taiga wanted to whisper to us.



Enough thoughts of transience: On Friday we reached the UKK-troughhiking path. Former Finnish President Urho Kekkonen is said to have roamed Finland along this path. For Lea this path is a great relief. The desolate kilometres along the main roads have now been forgotten. Lavus (shelters), fireplaces, Kotas and Mökkis (huts for wilderness hikers) are waiting.


On the way on the UKK to Vuokatti there are blueberries, cranberries and cloudberries (Finnish Lakka) to pick. The last kilometres before Vuokatti want to prove to us that Finland is not as flat as you might think. The Vaaras, the wooded mountain ranges, lined up like a string of pearls along the hiking path. On Sunday we reached my destination and Lea's stage town Vuokatti. This is about the Finnish Magglingen. My taxi driver to the train to Kajaani told me that he was hired as a driver of the Chinese cross-country national team. There is an underground ski tunnel in Vuokatti. Under the guidance of Finnish professional cross-country coaches, the China-Nati is being prepared for the Olympic Games in China 2022.


A girl is looking north. Much has already been achieved, but the way is still endless. I hope everything goes well and you reach the "Jäämeri", the sea of ice, healthy and unhurt.




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